Was ist Telematik? – Eine 10-Punkte-Einführung für Eigentümer und Manager von Industrieflotten

Was ist Telematik? Diese Frage wird häufig gestellt, wenn es um eine neue und sich rasch entwickelnde Technologie geht, die für die digitale Transformation von Unternehmen, die Industrieanlagen einsetzen, von zentraler Bedeutung ist.

 

Für Unternehmen aus den Bereichen Bauwesen, Vermietung und gemischte Fuhrparks, Materialtransport sowie Maschinenhandel bieten Telematiklösungen enorme potenzielle Vorteile.

1. Definition von Telematik: Was ist Telematik?

Telematik ist der Prozess der Nutzung von Technologie zur Erfassung von Erkenntnissen über Ihre Maschinen, Fahrzeuge und Werkzeuge. 

Durch die Installation eines Telematikgeräts in Ihren Maschinen erweitern Sie die Funktionen Ihrer Fahrzeuge und machen Ihr Unternehmen zukunftssicher. 

Zum Beispiel: Wenn Sie ein Vermietungsunternehmen, zeigen Ihnen Telematiksysteme in Echtzeit, wo sich Ihre Maschinen befinden, sodass Sie sicherstellen können, dass sie ordnungsgemäß und gemäß den Mietverträgen genutzt werden. 

Ein weiteres Beispiel: Wenn Ihr Unternehmen Maschinen in einem Lager, können Sie kostspielige, nicht gemeldete Stöße reduzieren, die Ihrem Unternehmen durch Reparaturkosten und Maschinenausfallzeiten schaden. Die Stoßmeldung sorgt dafür, dass Sie sofort über Stöße benachrichtigt werden, sodass Sie erkennen können, welche Bediener und Bereiche am anfälligsten für Zwischenfälle sind.

Informationen und Erkenntnisse aus Maschinendaten werden auf einer Online-Cloud-Plattform angezeigt. 

Diese Erkenntnisse ermöglichen es Ihnen, Ihre Flotte zu überwachen, die Effizienz zu steigern, sicherer zu arbeiten und unerwartete Ausfallzeiten zu vermeiden.

Die Telematik ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das Folgendes umfasst:

➡️ Telekommunikation (Übertragung von Informationen);

➡️ Fahrzeugtechnologien (Verkehr und Verkehrssicherheit);

➡️ Elektrotechnik (Sensoren, Messtechnik und drahtlose Kommunikation); und

➡️ Informatik (Multimedia und Internet).

Telematik hilft Ihnen dabei, das Potenzial Ihres Fuhrparks voll auszuschöpfen.

2. Warum heißt es „Telematik“?
2. Warum heißt es „Telematik“?

Der Begriff „Telematik“ ist ein zusammengesetzter Begriff, der sich aus den Wörtern „Telekommunikation“ und „Informatik“ zusammensetzt.

Telekommunikation“ bezieht sich auf die Übertragung von Informationen über große Entfernungen. „Tele“ leitet sich vom griechischen Wort für „weit entfernt“ oder „in der Ferne“ ab. „Kommunikation“ bezeichnet das Senden, Empfangen und Speichern von Daten.

Informatik“ ist eine Disziplin, die sich mit der Praxis der Informationsverarbeitung befasst. Dabei geht es um das Sammeln, Verarbeiten und Speichern von Daten.

Der Hauptzweck der Telematik besteht darin, wertvolle Informationen über große Entfernungen zu übertragen.

3. Die Entwicklung der Telematik

Die Telematik hat sich im Zuge der Weiterentwicklung der Computertechnologien und des Internets rasant weiterentwickelt.

Der Begriff wurde erstmals von Simon Nora und Alain Minc in einem Bericht aus dem Jahr 1978 geprägt, in dem sie die französische Regierung über die Informatisierung der Gesellschaft auf den neuesten Stand brachten. Es waren Nora und Minc, die den Kunstbegriff „Telematik“ (auf Französisch „télématique“) prägten.

Im Jahr 2008 hat der Association of Equipment Management Professionals (AEMP) beschloss, sich ernsthaft mit Telematik zu befassen. Die AEMP wurde gegründet, um diejenigen zu unterstützen, die schwere Offroad-Flotten verwalten und warten. Sie bietet der Branche Kontakte, Fachwissen sowie Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und persönlichen Entfaltung. 

Auf der AEMP kamen die wichtigsten Baumaschinenhersteller und Telematikanbieter der Schwermaschinenbranche zusammen.

Gemeinsam erörterten sie die Entwicklung des ersten Telematikstandards der Branche.

Im Jahr 2010 veröffentlichten sie den AEMP-Telematikdatenstandard V1.1.

Seitdem hat es bedeutende Entwicklungen im Bereich der Anwendungsprogrammierschnittstellen gegeben.

Dies hat zu einem deutlichen Anstieg bei der Einbindung von Daten aus Telematiksystemen in die Datenbanken von Unternehmen weltweit geführt.

4. Telematik vs. Telemetrie
4. Telematik vs. Telemetrie

Der Begriff „Telemetrie“ wird in der Telematikbranche gelegentlich verwendet.

Was ist also der Unterschied zwischen „Telematik“ und „Telemetrie“?

Bei der Telemetrie geht es um die Messung. Geräte führen an entfernten Standorten Messungen durch und senden diese an einen Monitor.

Bei der Telematik geht es um die Verarbeitung. Auswertungswerkzeuge wandeln Daten in Informationen um, oft mit einer visuellen Darstellung in einer Computersoftware.

5. Gibt es einen Unterschied zwischen Telematik und GPS-Ortung?

Die GPS-Ortung zeigt den Standort von Flottenfahrzeugen an. Sie ist ein wichtiger Bestandteil einer Telematiklösung, doch Telematik bietet noch viel mehr.

Telematiksysteme bieten einen wesentlich umfassenderen Überblick über verschiedene Aspekte Ihres Fuhrparks. Sie liefern Ihnen die Informationen, die Sie benötigen, um wichtige Entscheidungen zu treffen – nicht nur hinsichtlich des Standorts der Fahrzeuge, sondern auch in Bezug auf eine Vielzahl weiterer Funktionen:

➡️ Mit Telematik können Sie Ihre Maschinen orten, sodass Sie in Echtzeit wissen, wo sie sich befinden, und Geofences einrichten können, um sie vor Diebstahl zu schützen.

➡️ Telematik trägt dazu bei, dass Ihre Flotte sicherer und besser geschützt ist, sodass Sie wissen, wer Ihre Maschinen bedient und ob dies auf sichere Weise geschieht.

➡️ Telematik trägt dazu bei, die betriebliche Effizienz Ihres Fuhrparks zu steigern, indem sie Ihnen Daten und Einblicke in die Nutzung Ihrer Maschinen liefert.

➡️ Und Telematik hilft dabei, die Wartung und Instandhaltung Ihrer Flotte zu optimieren, sodass Sie unerwartete Kosten und Ausfallzeiten vermeiden können.

Telematik ist weit mehr als nur GPS-Ortung.

6. Wie funktioniert Telematik?
6. Wie funktioniert Telematik?

Der erste Schritt zur Implementierung eines Telematiksystems besteht darin, die Maschine, das Fahrzeug oder das Werkzeug auszuwählen, das Sie vernetzen möchten.

Wie funktioniert dieses Gerät? Welche Probleme treten auf? Was möchten Sie als Nutzer wissen?

Sie bauen ein Telematikgerät (einen „Tracker“) in Ihre Maschine ein.

Dieses Gerät erfasst die gewünschten Daten aus digitalen und analogen Signalen – häufig ereignisgesteuert – und übermittelt diese Daten anschließend an eine Cloud-Plattform.

Auf dieser Cloud-Plattform werden die Daten erfasst, verarbeitet und in aussagekräftige Informationen umgewandelt.

Diese Echtzeitdaten mit hohem Datenaufkommen werden zu wertvollen Erkenntnissen aufbereitet.

Diese Erkenntnisse ermöglichen es Ihnen, Ihre Prozesse zu optimieren, die betriebliche Effizienz zu steigern und die Sicherheit in Ihrer Fertigung zu verbessern.

7. Welche Telematikfunktionen tragen zur Steigerung der betrieblichen Effizienz bei?

Beispiele für Telematikfunktionen, die dazu beitragen, die betriebliche Effizienz steigern sind unter anderem:

  • GPS-Standortbestimmung und Geofencing;

Dank GPS-Ortung können Sie jede Maschine schnell ausfindig machen, um sie am Ende der Mietdauer abzuholen oder zur Wartung zu bringen – selbst wenn die Maschine gerade nicht im Einsatz ist. Dank der Standorthistorie können Sie sicher sein, dass Ihre Maschinen nicht ohne Ihr Wissen an anderen Orten eingesetzt werden. Mit der Geofencing-Technologie können Sie virtuelle Grenzen festlegen und erhalten sofort eine Benachrichtigung, wenn eine Maschine die von Ihnen festgelegten Grenzen überschreitet. 

  • Umfassende Berichterstattung zur Flottennutzung;

Sehen Sie genau, wie lange Ihre Maschinen im Einsatz sind. Werden manche Maschinen zu wenig genutzt? Werden andere Maschinen zu stark beansprucht? Halten Sie alle erforderlichen Daten griffbereit, um fundiertere Geschäftsentscheidungen hinsichtlich der optimalen Flottenzusammensetzung zu treffen. 

  • Dienstleistungsmanagementsysteme; 

Automatische Benachrichtigungen zur Serviceplanung sparen Ihren Technikern wertvolle Zeit bei der regelmäßigen Wartung und liefern ihnen alle Informationen, die sie für einen schnellen und präzisen Einsatz benötigen.

  • Batterieüberwachung

Die Batterien, die Ihre Industrieflotte antreiben, bringen Ihr Unternehmen voran. Mit Lösungen zur Batterieüberwachung können Sie unnötigen Verschleiß vermeiden, die Ladezyklen maximieren und die Lebensdauer der Batterien verlängern. 

8. Welche Telematikfunktionen tragen dazu bei, die Arbeit sicherer zu machen?

Beispiele für Telematikfunktionen, die Ihre Arbeitsumgebung sicherer machen sind unter anderem:

  • Sicherheitschecklisten auf dem Bildschirm mit individuell angepassten Fragen in unterschiedlicher Reihenfolge;

Sicherheitschecklisten auf dem Bildschirm machen die Kontrollen vor dem Start obligatorisch und führen bei kritischen Problemen zu einer sofortigen Sperrung. So wird sichergestellt, dass die Bediener die Maschine überprüft und festgestellt haben, dass sie betriebssicher ist. Die System dokumentiert die abgearbeitete Checkliste und die dafür benötigte Zeit. Es verfolgt das Benutzerverhalten und Sicherheitsprobleme anhand von Echtzeitdaten auf einer Cloud-Plattform. Keine Klemmbretter. Keine unleserliche Handschrift. Kein Papier. Einfach eine sichere Flotte – jeden Tag. 

  • Lizenzverwaltung und Überprüfung der Ausbildungsanforderungen;

Durch die Nachverfolgung des Ablaufs von Fahrerlizenzen und Schulungen können Sie sicherstellen, dass die Bediener Ihrer Maschinen stets die entsprechenden Anforderungen hinsichtlich Inspektionen, Schulungen und Lizenzen erfüllen. Wenn die Zulassung eines Bedieners abläuft, verliert dieser die Berechtigung, die Maschine zu bedienen. So behalten Sie stets den Überblick über die Lizenzanforderungen und stellen sicher, dass jeder Bediener über die aktuellen Zulassungen verfügt, um seine Maschine zu bedienen.

  • Zugangskontrolle per PIN-Code oder RFID;

Gewähren Sie zugelassenen Bedienern über einen PIN-Code oder eine RFID-Karte Zugriff auf Ihre Maschinen. Legen Sie anhand Ihrer eigenen Kriterien hinsichtlich Zertifizierungen und Schulungen fest, wer die einzelnen Maschinen bedienen darf. 

  • Sitzungsbericht;

Überwachen Sie täglich die Aktivitäten der Fahrer, um Einblicke in die Effizienz zu gewinnen. Nutzen Sie die Berichte bei Mitarbeitergesprächen und zur Festlegung von KPIs, die sicheres und produktives Fahrverhalten belohnen. Gewinnen Sie Einblicke in die Kernarbeitszeit, die Sitzzeit und die Fahrzeiten. Identifizieren und beseitigen Sie Hindernisse, die der Effizienz im Wege stehen. 

  • Unfallmeldung und automatische Sperrung nach einem Zusammenstoß .

Nicht gemeldete Zusammenstöße verursachen Ihrem Unternehmen hohe Kosten, sowohl für die Schadensbehebung als auch für Maschinenstillstände. Erhalten Sie sofortige Benachrichtigungen über Zusammenstöße, damit Sie feststellen können, welche Bediener und Bereiche am anfälligsten für Zwischenfälle sind. Setzen Sie zusätzliche Blinklichter und akustische Warnsignale ein, um ein sichereres Fahrverhalten zu fördern und Zwischenfälle innerhalb und außerhalb Ihres Lagers zu reduzieren. Sperren Sie Bediener nach Zusammenstößen aus.

Telematikanbieter führen ständig neue Funktionen ein. Zu den neueren Funktionen zählen Abstandswarnsysteme, Lösungen zur Batterieüberwachung oder Gewichtsensormodule.

Es ist eine spannende Zeit in der Telematik, und Ihr Unternehmen sollte dies nicht ignorieren.

9. In welchen Branchen und Unternehmen kann Telematik eingesetzt werden?

In einer Vielzahl von Branchen kommen Telematiklösungen für Industriemaschinen zum Einsatz.

  • Bauwesen

Unternehmen der Baubranche, die über einen eigenen Maschinenpark verfügen, nutzen Funktionen zur Steigerung der betrieblichen Effizienz.

Beispiel: Bei der Stundenabrechnung können Bauunternehmen erkennen, welche Maschinen zu wenig und welche zu viel genutzt werden, und erhalten so alle Daten, die sie benötigen, um fundiertere Geschäftsentscheidungen über die optimale Zusammensetzung ihres Maschinenparks zu treffen.

  • Vermietung

Vermietungsunternehmen, die eine gemischte Flotte von Baumaschinen vermieten, nutzen Funktionen zur Sendungsverfolgung.

Beispiel: Dank GPS-Ortung und Standortverlauf vermietende Unternehmen in Echtzeit, wo sich ihre Maschinen befinden, und können so sicherstellen, dass diese gemäß den Mietverträgen genutzt werden. Mithilfe von Geofencing können sie gewährleisten, dass Maschinen festgelegte Grenzen nicht verlassen, wodurch das Risiko der Untervermietung verringert wird. 

  • Materialtransport

Unternehmen der Materialwirtschaft setzen auf Funktionen, die der Sicherheit dienen. Sie möchten die Sicherheit der Gabelstaplerfahrer in ihren Lagern verbessern.

Beispiel: Mit Funktionen wie der Annäherungswarnung, können Materialtransportunternehmen den Anstieg von Personalausfällen, Maschinenstillständen und Versicherungsprämien eindämmen. Ein 360°-Annäherungswarnsystem versorgt Mitarbeiter im Materialumschlag mit den Warnmeldungen und umsetzbaren Erkenntnissen, die sie benötigen, um Unfälle mit Gabelstaplern zu reduzieren und ihre Arbeitsumgebung sicherer zu machen.

  • Maschinenhändler

Maschinenhändler, die an die Logistikbranche vermieten, nutzen Funktionen, die ihnen bei der Wartung und Instandhaltung der Maschinen helfen. 

Beispiel: Durch die Ermöglichung vorbeugender Wartung mittels Funktionen wie Stoßerkennung und Anlagenauslastung können Maschinenhändler Ausfälle und Ausfallzeiten bei den von ihnen vermieteten Geräten minimieren. Automatische Benachrichtigungen zur Serviceplanung sparen ihren Technikern wertvolle Zeit bei der regelmäßigen Wartung und liefern ihnen alle Informationen, die sie für einen schnellen und präzisen Einsatz benötigen.

10. Welche Arten von Maschinen kann ich per Telematik überwachen?
10. Welche Arten von Maschinen kann ich per Telematik überwachen?

Telematikgeräte werden am häufigsten an Maschinen und Fahrzeugen wie Gabelstaplern, Hubarbeitsbühnen und anderen schweren Geländemaschinen installiert.

Doch auch kleinere Geräte werden zunehmend mit Telematikgeräten ausgestattet, um Diebstahl zu verhindern, die Nutzung effizienter zu gestalten und Lagerbestände zu lokalisieren.

Die Möglichkeiten erweitern sich branchenübergreifend, vom Bauwesen bis zur Landwirtschaft und vom Materialtransport bis zum Management gemischter Fuhrparks.

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